Eine außer-gewöhnliche Offenbarung

Eine Stimme in mir sagte auf einmal „Madi, vlt musst Du rein gar nichts.“

Es war Samstag morgen und ich stand kurz vor einer außer-gewöhnlichen Offenbarung.

Wovon ich in diesem Moment allerdings noch nichts ahnte.

Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt schon monatelang dem „Gefühl“ der Scham in mir gestellt, habe sie immer mehr an mich herangelassen und saß im März Mitten drin in dieser höchst unangenehmen Brühe.

Und ich muss sagen, ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich da wieder rauskommen sollte.

Das einzige, was ich wusste und seit Monaten tat, war: Fühlen, Hinschauen, Offenlegen. Repeat.

Ich wusste, dass ich nicht länger vor der Scham wegrennen wollte. Also blieb ich stehen und lief geradewegs in sie hinein. Eine Exit-Strategie hatte ich nicht und kannte ich nicht.

„MADI, VLT. MUSST DU REIN GAR NICHTS.“ War die plötzliche Antwort auf einen inneren Monolog, der an diesem Morgen drohte, mich zum Explodieren zu bringen.

Ich wusste nicht, warum mein Verstand an diesem Morgen so vehement und ohne Unterlass auf mich einredete. Aber er tat es und im Grunde wiederholte er auch immer wieder die gleiche Botschaft:

„Madlen, Du musst jetzt etwas tun, irgendetwas tun, um nicht mehr so komisch zu sein, Du musst etwas tun, um diese Scham loszuwerden. Denn allein für die Scham schäme ich mich so. Und wenn Du jetzt nicht sofort IRGENDETWAS tust oder an Dir änderst, dann werden wir die Scham nie loswerden und dann werden wir niemals ganz glücklich sein können und immer so weird bleiben und deswegen musst Du jetzt IRGENDETWAS tun… “

Du erkennst den Kreislauf? Das ist der Narrativ meiner Scham und nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.

Was ich aber damals nicht wusste – weil: That shit was real for me!

Und wenn es sich wahr anfühlt, dann glaubst du es und dann machst du, was die Scham sagt, weil es scheint Deine einzige Option auf Besserung zu sein und außerdem scheinst Du auch wirklich zu explodieren, wenn Du es nicht machst und diese Wortgewalt weiter in Dir wütet!

Okay! So viel also zum Kontext der Situation !

ALSO, DANN JETZT MAL ZUR WEITER OFFENBARUNG.

Ich habe keine Ahnung, welcher Engel mir diesen Satz mit dem „Madi, vlt musst Du rein gar nichts“ geschickt hat. Aber ich bin ihm oder ihr für immer dankbar.

Denn dieser Satz in genau diesem Moment löste eine Tiefenentspannung irgendwo ganz tief in mir drin aus!

Es muss in mir drin, wie so eine Domino-Reihe ausgesehen haben. Klick. Klick. Klick. Klick Klick.

Die Entspannung rauschte leise aber ohne auch nur einen Stein auszulassen durch mich hindurch. Ich weiß nicht, wie ich das Ausmaß an Power und gleichzeitiger Stille gut beschreiben kann, die ich in mir wahrgenommen habe.

Innerhalb von einigen Minuten, war mein ganzer Körper und mein Geist unfassbar still.

UND DANN GESCHAH ES. DER VORHANG FIEL. MEINE AUGEN SAHEN EINE NEUE WELT.

Ich kenne mein wahres Selbst aus dem Zustand des Eins-sein. Ich kenne diesen Zustand, wenn ich meinen Körper verlasse und nur noch die universelle Liebe bin. DAs Bewusstsein ohne Kontext und Form. Frei von allen Anhaftungen.

Ich habe diesen Zustand bis dato aber noch nie erlebt, während ich “Ich war”. Also Ich Madlen. In diesem Körper. In diesem Moment. Absolut geerdet. Boom. VEry human.

Ich saß da und konnte meinen Augen nicht trauen. Alles, was ich die letzten Monate an Scham gefühlt hatte, war weg. Vom Erdboden verschluckt.

Alles, was übrig blieb, war ich. Ich, so wie ich immer schon war.

Es war fast so, als vibrierte in mir das Wissen: Du warst schon immer genau so (richtig) wie Du schon immer warst. Aber es war nicht so, dass ich das denken musste, um es zu wissen. Ich war! Und in diesem Sein, war diese GEwissheit bereits enthalten.

Im Unterschied zu meinen Erfahrungen des „Eins-sein“ hatte ich keinen Extaserausch, sondern einfach eine unendliche profunde Stille und Gewissheit in mir:

Das bin ich. Ich war schon immer ich. Ich war schon immer genau richtig, so wie ich war. Alles andere ist ausgedacht und kann dieser Gewissheit niemals standhalten.

Ich war verblüfft, die komplette Realität der Scham war von einem auf den nächsten Moment in mir zusammengebrochen und vom Erdboden verschluckt worden.

WÄHREND ICH NUN IRGENDWIE RECHT VERBLÜFFT, AMÜSIERT UND STAUNEND DASASS, PASSIERTE ETWAS DRITTES, VON DEM ICH DIR BERICHTEN MÖCHTE.

Auf einmal konnte ich beobachten, wie sich mein Sichtfeld genau in der Mitte teilte. Es war wie eine unsichtbare Wand, die mein Sichtfeld genau in der Mitte in zwei gleich große Bereiche teilte.

Ich konnte nach links gucken und nach rechts. Wenn ich mich nach links fallen ließ und in diesen Bereich eintauchte, war ich in dieser Stille. In mir selbst. In meiner Natürlichkeit. Da, wo ich schon immer richtig war und immer genau richti sein werde.

Wenn ich nach rechts schaute und mich in diesen Bereich fallen ließ, saß ich in meiner alten Realität fest. Dort fühlte ich eine ständige Scham über mich. Dort war die Scham meine Realität. Meine Identität. Dass, wer ich war.

Und es war genau hier in der Co-Existenz dieser beiden Realitäten, als ich begann diese Identität, die sich auf Scham und nicht richtig sein gründet immer mehr zu verstehen.

Ich konnte im Sekundentakt die beiden Zustände wechseln. Es war eine relativ abgefahrene Sache 

ALSO, WAS HABE ICH GEFUNDEN?

Ich kippte nach rechts und konnte sehen, wie ich in dieser konditionierten Identität wortwörtlich gefangen war und wie ich mit allen Mitteln versuchte, aus ihr auszubrechen. Ich konnte allerdings auch sehen (und das ist essentiell!!!). Dass ich, solange ich diese Identität bin, nicht daraus ausbrechen kann.

All mein Handeln rechts war darauf ausgelegt, aus der Identität von „Irgendetwas stimmt fundamental nicht mit mir“ auszubrechen. Doch meine Ausbruchversuche waren so designt, dass ich versuchte, mich irgendwie richtig zu machen.

Du siehst, die Katze beißt sich in den Schwanz.

Der Ausbruchversuch ist schon Teil des Musters.

Ich konnte sehen, wie ich versuchte mich zu verändern, anderen zu gefallen, so zu sein, wie ich dachte, dass es angemessen sei. Etc. Etc.

Dann fand ich zum Coaching und Empowerment. Und ich konnte sehen, wie Methoden, die darauf ausgelegt waren, mich eigentlich aus diesen Identitäten zu befreien, meine Muster nur weiter stärkten.

Ich konnte sehen, wie ich versucht hatte meine Glaubenssätze zu verändern, um dadurch „richtig“ zu werden.

Also z. B. Wenn ich diese Angst vor Ablehnung ablege, dann bin ich ok, dann werde ich nicht mehr abgelehnt.

Oder wenn ich mehr an mir arbeite, dann werde ich endlich selbstbewusster und dann bin ich endlich so, wie ich sein sollte und nicht mehr so schüchtern.

Von außen betrachtet, ist das relativ lustig, weil man sofort erkennt, dass da ein Haken an der Sache ist. Wenn Du drin steckst, steckst du aber einfach drin und mühst Dich ab, wie der Hamster im Rad. Und fundamental bleibt doch alles, wie es ist. Obwohl Du irgendwann selbstbewusster bist, weniger Angst hast, etc.

Was bleibt ist eine grundlegende Unsicherheit darüber, ob es ok ist, wie Du bist.

Deswegen helfen uns auch viele der Coaching- und Empowerment Methoden nur bedingt, weil wir sie „in unseren Mustern nutzen“. Weil unsere Identität versucht sich „richtig“ zu machen. Sich gut genug zu machen. Sich machtvoll, selbstbewusst, stark zu machen.

(Aber dazu an einer anderen Stelle mehr!)

Ich konnte mich immer wieder nach rechts in mein Muster lehnen und sehen, wie ich mich all die Jahre abgeackert habe und wie jede neue Methode, die ich ausprobiert habe, am Ende doch wieder grundlegend meine konditionierte Identität bestätigte.

Es ist so, als ob einen Rübenacker hast. Und über Jahre und Jahrzehnte mühst Du Dich ab, um Rüben zu ernten. Du hackst im Boden, Du düngst, du säst, du jätest, aber irgendwie bleibt die Ernte mau. Du fragst Dich, was mit dir nicht stimmt, dass Du das nicht hinbekommst, und lernst neue Methoden kennen, ackerst härter, besserer Dünger, andere Samen, etc. etc. etc.

Aber Jahr ein Jahr aus, es will auf deinem Feld nichts wachsen.

Und dann eines Tages sagt eine innere Stimme zu Dir: „Vlt musst Du gar nicht so ackern.“ Und du legst die Schaufel weg und drehst Dich ahnungslos um.

Zu Deiner große Überraschung siehst Du nun auf einmal zu Deiner Linken ein riesiges prall gefülltes Rübenfeld. Alles ist bereits fertig und alles ist bereits gut. Es gibt nichts zu tun und das Feld war die ganze Zeit schon da!

MEINE GROSSE ERKENNTNIS AUS DIESER ERFAHRUNG WAR, DASS ES AN SICH NICHTS ZU TUN GIBT, UM IRGENDETWAS IN DIR ZU LÖSEN ODER ZU HEILEN.

Das „Ich muss etwas tun“ ist schon Teil der Matrix und ist das, was Dich in Deinen Konditionierungen gefangen hält. Es ist paradox! Aber es ist der Weg hinaus!

Und es ist wahrscheinlich eines der herausfordernden Aufgaben, für die aktuelle menschliche Konditionierung: Zu erkennen, dass der Weg nicht über machen, tun & verändern geht. (Und ich kann die Konditionierungen jetzt schon aus der Ferne verzweifelt rufen hören: „Aber hä, aber wie denn dann aber was???? Ahhhhh Hilfe!“)

Ich werde weitere Texte genau diesem Zusammenhang und Shift widmen… aber hier würde das aktuell den Rahmen sprengen.

MEINE ZWEITE ERKENNTNIS IST – UND DIESE IST MINDESTENS GENAUSO ESSENTIELL – DASS SICH DAS ACKERN AUF JEDEN FALL GELOHNT HAT.

In dem Moment, wo Du Deine Schaufel aus der Hand legst und das fertige Rübenfeld siehst, ist eine Reaktion naheliegend: Warum, um Gottes Willen, war ich so bekloppt und habe mich all diese Jahre soooo abgeackert, wenn ich doch schon die ganze Zeit über richtig war???

Das Abackern erfüllt genau einen Zweck: Zu erkennen, dass es nirgends hinführt. Und diese Erkenntnis fordert von den meisten von uns einiges an Verausgabung, bevor wir bereit sind, uns ihr zu öffnen.

Ich bin also zutiefst dankbar, dass ich so fleißig geackert habe und dass ich mich erlaubt habe müde und wütend auf all die Ackerei zu werden, denn auch dieser Frust und diese Aussichtslosigkeit haben zu meiner Befreiung beigetragen.

ICH SEHE DIESEN TEXT, WIE EINE ART EINLEITUNG AN.

Ich habe viel zu diesem Thema zu teilen. Ich sehe eine Art Landkarte, die gerade in mir entsteht und heranreift. Ich werde sie Stück für Stück teilen.

Ich spüre ein neues grundlegendes Verständnis, eine umfassende Befreiung und ein druchdringendes Jauchzen in mir aufsteigen, wie ich diese Zeilen zu Ende bringe.

Am Ende der Konditionierungen beginnt ein Spiel ungeahnter Üppigkeit und Schönheit. Ich habe jetzt auch keine Worte mehr… sondern lasse mich von der süßen Vorahnung dieser Unternehmung verführen.

Ein wundervolles Wochenende
Madlen