Genau so, wie ich bin

Neulich habe ich mich mit meinem Dad unterhalten… ich weiß garnicht mehr – worum es genau ging – aber er erzählte, dass ich als Kind oft so “zerbrechlich” wirkte.

Zum Beispiel, als ich in den Kindergarten kam, habe ich zwei volle Tage “nur” am Rand gesessen, bevor ich begonnen habe, mit den anderen Kindern zu spielen.

Meine Mama war ein sehr schüchternes Kind. Sie hat mir mal erzählt, dass sie sich bei meiner Geburt so sehr gewünscht hat, dass ich nicht so schüchtern werde, wie sie. Denn in ihrer Erfahrung hat sie darunter sehr gelitten.

Well guess what 

Genau: Ich war schüchtern. Und zwar – in all the ways.

Und auch ich würde sagen, ich habe unter meiner Schüchternheit gelitten. Denn ich habe über die Zeit aufgeschnappt, dass man so nicht sein sollte.

Man soll immer selbstbewusst sein, sich zeigen, mitspielen, usw. Und all diese Qualitäten verbinden wir in aller erster Linie mit einem extrovertiertem Auftreten.

Wie viel Jahre habe ich versucht, das bei mir hinzubiegen. Mich doch irgendwie anders hinzubekommen und bloß nicht mehr, so schüchtern zu sein.

Zur Zeit integrieren sich diese beiden Energien in mir. Denn ich liebe es mit Menschen zu sein – ich will nur oft gerne zurückhaltend starten.

Ich liebe es vor Menschen zu sprechen und Geschichten zu erzählen – und ich brauche Zeit, um mich wirklich wohl und sicher in einer Gruppe zu fühlen. Egal ob ich Teilnehmer bin oder sie leite.

Ich liebe es, mich der Welt mitzuteilen – und das meiste Marketing, dass ich sehe, bringt mich eher zum inneren Kotzen, als das es mir ein inspirierendes Vorbild ist. Wie geht man also einen Weg, den es noch nicht gibt?

Ich liebe es, neue Menschen kennenzulernen – und ich hasse Smalltalk. Ich fühle mich in Smalltalk Situationen so, als müsste ich auf einmal Chinesisch sprechen, kann aber kein Chinesisch und muss aber so tun, als ob ich es könnte und lieben würde.

ICH LIEBE ES MIT UND IN DER WELT ZU SEIN. UND ZWAR AM ALLERLIEBSTEN GENAU SO, WIE ICH BIN.

Neulich habe ich mit einer Lehrerin aus meinem Schulprojekt über dieses ganze Thema gesprochen. Und dabei purzelte ein glasklarer Satz aus mir heraus:

“Weißt Du was? Wenn ich in einem neuen Kontext ankommen, am allerliebsten würde ich wirklich gerne die ersten zwei Stunden einfach nur am Rand sitzen und zugucken. Ich will beobachten und mir ein Bild von den Menschen und der Situation machen. Und dann mit der Zeit komme ich ganz von selbst an.”

Sie guckte mich an und sagte: “Ja, ohne Witz so geht es mir auch.”

Es gibt so viele Schichten an Erkenntnis. Darüber wer wir sind und wer wir nicht sind. Wie wir sein wollen und wie wir denken, sein zu müssen.

Mir macht das Abschälen und Abstreifen, dieser “Nicht-Ich” Sachen immer mehr Freude und ich kann mir immer freier die Frage stellen: WER BIN ICH? UND WER WILL ICH SEIN?

WAS IST MEINS?
UND WAS GEBE ICH DER WELT DANKEND WIEDER ZURÜCK?

Ich mache zur Zeit ganz viele hübsche Päckchen fertig und beschrifte sie mit “ZURÜCK AN DEN ABSENDER. EMPFÄNGER GLÜCKLICH VERZOGEN.”