Leben ohne Probleme?

Ich gewöhne mich gerade an den inneren Zustand, keine Probleme zu haben. And it is tricky.
 
Weil wer bist Du ohne Probleme? Ohne das, was Dich schon seit Du denken kannst, nicht in Ruhe lässt? Wenn ich versuche, mir das mit dem Verstand vorzustellen, bleibt nichts von mir übrig! Und ja, ohne Probleme verschwindet unsere Identität! Und doch bleibt etwas: Unser wahrer Kern. Wir selbst.
 
Vor ein paar Wochen hatte ich eine unerwartete Erfahrung, in der sämtliche Scham von mir abgefallen ist. Scham ist für mich ein sehr sehr sehr (sehr sehr sehr sehr) präsentes Lebensthema (gewesen?) – vor allem in den letzten Monaten. Aber dazu mehr an anderer Stelle.
 
Wenn ich Scham heute in einen Satz übersetzen müsste, dann wäre es dieser:
 
ICH BIN NICHT RICHTIG, SO WIE ICH BIN.
Und zwar fundamental.
 
🐡
 
Aus dieser grundlegenden Identität heraus wird das Leben zu einem konstanten inneren Kampf. Die Prämisse nach der man lebt und versucht sich selbst und das Leben unter Kontrolle zu haben, lautet dann: Ich MUSS anders fühlen/denken/handeln/etc. Ich MUSS anders sein. Anders als ich es momentan bin.
 
Es ist eine existentielle Scham: Wenn ich nicht anders bin, als ich bin, darf ich nicht (hier) sein.
 
Und auch wenn man diesen Zusammenhang logisch schnell entlarvt (weil defacto, bin ich ja immer noch hier. Ich bin hier – egal wie ich bin.), ist es eine ganz andere Sache diesen Zusammenhang in Deinem grundlegenden Empfinden Dir selbst und der Welt gegenbüber aufzulösen. Das geht nämlich nicht im Verstand.
 
Das Programm der Scham saß mir so tief in den Knochen – oder eher im Nervensystem – dass ich keinen bewussten Zugriff darauf hatte. Das Programm läuft ab und ich reagiere lediglich darauf. So als ob die ganze Zeit Hintergrundmusik läuft – jedoch kein PLAY oder STOP Knopf weit und breit zu finden ist.
 
🦆
 
Nachdem ich diesem Prozess der Bewusstwerdung mit dem Thema Scham nun ca. 4 Monate intensiv beigewohnt habe (und darf ich kurz anmerken, wie absolut unangenehm das Gefühl von Scham ist…. bäh bäh bäh!), ist vor ein paar Wochen das ganze Konstrukt absolut unerwartet, an einem Samstag vormittag, vor meinen Augen komplett in sich zusammengebrochen.
 
Boom. Just like they say: The veil drops!
 
Und was blieb übrig?
 
Stille!
 
Ich.
 
Einfach nur ich und die unumstößliche Erkenntnis, DASS ICH SCHON IMMER RICHTIG WAR.
 
So still…
 
 
..
 
.
 
 
 
 
 
Ich kenne die Stille. Ich kenne mich. Einfach mich. Es ist wunderschön! Die Scham allerdings hat mich immer wieder “aus mir herausgezogen”. Sie mir gesagt, dass ich nicht einfach ich sein kann. Was ich denn denke, wer ich sei! Und ich habe ihr geglaubt. Weil ich dachte, vielleicht hat sie doch recht. Wahrscheinlich hat sie recht.
 
🦟
 
Jede Erkenntnis zieht einen Prozess der Integration nach sich. In meiner Erfahrung, erleben wir in der Zeit der Integration noch einmal beide Seiten der Medaille. Das Neue und das Alte.
 
Du sollst noch einmal bewusst verstehen, wie diese Muster genau gestrickt sind und wie sie sich auf Dein Leben, Dein Empfinden, Dein Wahrnehmen und Dein Handeln auswirken.
 
Das ist äußerst hilfreich, um Dich im Neuen zu verankern und die umfassende Wirkweise dieser bisherigen Denkweisen, Identitäten oder Muster zu erkennen. Denn bisher hast Du sie zwar gelebt, aber nicht verstanden. Jetzt, da Du frei davon bist, kannst Du sie erst wirklich betrachten und durchdringen und so bewusst wählen, wie Du ab sofort leben willst und wer Du sein willst.
 
🐷
 
Scham hat diesen Imperativ des DU MUSST ANDERS SEIN inne. Und wenn diese Wirkweise so plötzlich wegfällt, fällt eine ganze Menge MUSS weg.
 
Das ist wunderschön und lässt Dich jedoch gleichzeitig auch erstmal ohne jegliches inneres Regelwerk zurück.
 
Oh Shit, ich muss diese ganzen Dinge nicht mehr, wie z. B. mich anstrengen, mich auf eine bestimmte Weise darstellen, mich an gewisse Themen nicht rantrauen, etc.
 
Ok, was will ich denn dann eigentlich? Also ich? Einfach, weil ich es aus voller Freiheit heraus wählen kann. (Ach ja übrigens, meine These ist ja, dass wir vor Nichts so sehr Angst haben, wie vor der Freiheit!)
 
🦖
 
Als ich nun vor ca. drei Wochen auf einmal in dieser allumfassenden Stille saß und in der Gewissheit, dass ich schon immer richtig war, sind auch all meine “Probleme” wie die Fliegen gestorben.
 
Es war so offensichtlich, dass Probleme komplett ausgedacht sind. Und verstehe mich nicht falsch, ja es gibt Dinge zu tun auf dieser Welt!!! Ja! Ja! Ja! Die Art und Weise, wie wir auf diese Dinge schauen ist allerdings komplett erfunden. Das generelle Problematisieren ist eine Sucht des Verstandes. Es hilft ihm, in Kontrolle zu sein.
 
Das Ganze heraufbeschwören von Problemen erschafft eher das Gegenteil, es lähmt uns, es verstrickt uns, es macht uns unauthentisch, es hemmt uns in unserer Kreativität, es spaltet uns, es lenkt uns von dem ab, wo wir eigentlich hinwollen.
 
🐧
 
An diesem Punkt finde ich mich gerade. Es ist wie die Kindergarteneingewöhnung: Schaffe ich es ohne meine Eltern? (😅 Ok, nicht ganz passendes Beispiel… ich will Eltern jetzt überhaupt nicht als Problem darstellen… haha).
 
Kann ich ohne meine Probleme existieren?
Und geht es im Leben vielleicht um etwas ganz anderes, als Probleme zu lösen?
 
JA!
 
Und wer bin ich dann?
 
Let’s find out!
Jeden Tag aufs Neue.
 
Das ist vielleicht das,
was man Leben nennt.
 
🐬