Über die Liebe zum Leben

Während der vergangenen Wochen hatte ich längeren Besuch von einer guten Freundin.

An einem Nachmittag guckte sie mich an und sagte: Weißt Du was?

Ich schaute fragend zurück: Was denn?

Ich liebe das Leben einfach so sehr.

Wir schauten uns an und mussten lachen. So aus dem Herz heraus. So, als erinnerten wir uns in diesem Moment an etwas fundamental Wahres.

An dieser Stelle muss ich hinzufügen, dass dies kein Ausruf war, der auf irgendwelchen höchst positiven Umständen beruhte. Im Gegenteil, wir hatten gerade beide an ein paar Themen zu knabbern und fühlten uns wahrscheinlich eher verletzlich und ratlos – als high von irgendwelchen günstigen Fügungen.

Nichts desto trotz, war es so: Wir liebten das Leben einfach so sehr.

 

In den darauffolgenden Tagen tauchte immer wieder, in einem unerwarteten Moment, ihre Frage auf: Weißt Du was?

Irgendwann konnte ich schon mit einem Schmunzeln im Gesicht die Antwort geben: Ich liebe das Leben einfach so sehr.

Ich auch.

Wir lachten uns an.

Diesen Satz zu sagen, wenn die Dinge, wie am Schnürchen laufen und sich alles so entwickelt, wie wir uns das vorstellen, fällt uns in der Regel nicht so schwer. Und ja, es stimmt, in diesen Momenten lieben wir das Leben – doch vor allem lieben wir die Tatsache, dass alles so flutsch und sich Wunder an Wunder reiht.

Korrekterweise müsste man sagen: Ich liebe die Wunder, das Mühelose, dass sich alles für mich fügt. Ich liebe besonders diese Facette des Lebens. Fair enough. Ich liebe das auch! Bin ein großer Fan!

In den Momenten, wo sich das Leben eher mit uns reibt (oder vielmehr wir mit ihm) und alles scheinbar nicht ganz so flutschen will und vielleicht gar nicht so läuft, wie der Verstand das gerne hätte, da bekommt dieser Satz eine ganz andere Qualität. Da verbirgt sich hinter der Aussage Ich liebe das Leben eine andere Tiefe.

Hier zeigt sich eine bedingungslose Liebe. Eine vollkommene Annahme. Es ist sozusagen eine Deklaration:

Ich liebe das Leben – no matter what!

In den meisten Köpfen auf unserem Planeten scheint in dieser Hinsicht genau das Gegenteil vorzuherrschen: Egal, wie viel Gutes auch passieren mag, ich bleibe lieber mal ein wenig misstrauisch. Ich freue mich lieber nicht zu sehr, um dann nicht enttäuscht zu werden und ich halte den Ball lieber mal flach – denn wer hoch fliegt, der fällt auch tief.

Man nennt das auch Kontrolle. Und das Kredo der Kontrolle ist: Wenn es da Unangenehmes gibt, dann will ich wenigstens vorbereitet sein. Wir ziehen in der Regel kontrolliertes Dauerleiden dem überraschenden vorrübergehenden Schmerz vor. Und wir meinen, dass wäre ganz schön clever. Doch wer hier genau hinschaut, muss sich eingestehen, dass das absoluter Quatsch ist und das Leiden letztendlich nur größer macht.

 

Ich gehe und wähle immer wieder einen anderen Weg:

Ich liebe das Leben, egal was es auftischt. Ich mache die Liebe größer, als alle Umstände.

Mit seinem Leben und der Realität zu kämpfen ist die Hölle. Das Leiden, das daraus entsteht, ist so groß, dass ich damit aufgehört habe. Ganz einfach mir zu Liebe.

In einem Moment des Schmerzes zu sagen, ich liebe das Leben einfach so sehr, entfacht eine spannende innere Dynamik. Es ist so, als würde man dem Widerstand gegen die aktuelle Erfahrung den Teppich unter den Füßen wegziehen. Auf einmal hat der Widerstand nichts mehr, woran er sich halten kann und er versucht im luftleeren Raum etwas zu fassen zu bekommen. Aber da ist nichts. Da ist nur Liebe.

Und wo die Liebe groß ist, da können keine Geschichten landen oder sich festhalten. True story!

 

Hier geht es jetzt auf keinen Fall darum, sich die Umstände schönzureden oder sie wegzudrängen. Nein!

In die Liebe zu gehen, die Erfahrung im Herz wahrzunehmen, das ist etwas, das sich unser linearer denkender Verstand gar nicht ausmalen kann. Im Verstand gibt es immer nur entweder oder. Entweder bekämpfe ich das vermeintlich negative oder ich resigniere.

Liebe ist etwas anderes. Sie entzieht sich diesem Zusammenhang. Sie spielt auf einer ganz anderen Ebene. Versuche deswegen gar nicht erst Deinen Verstand davon zu überzeugen, denn er kann es sich beim Besten Willen nicht vorstellen. Das ist so als würdest Du einem kleinen Kind eine höchst komplexe Mathematik Aufgabe stellen und es weiß noch nicht einmal, was diese ganzen Zeichen bedeuten. Du siehst schon, dass ist ungerecht und führt zu nichts!

Wende Dich statt dessen direkt der Liebe zu. Deklariere Deine Liebe zum Leben und zur Existenz und nutze jede Gelegenheit diese Liebe größer zu machen. Nutze jede Erfahrung, um Dein Herz noch ein Stück weiter zu öffnen.

Werde eine Liebhaberin oder ein Liebhaber des Lebens. Nicht weil es das Richtige ist, sondern weil alles andere zu viel Leiden verursacht. Tu es Dir zu Liebe.

Und wenn Du keine Ahnung hast, wie Du das machen sollst, beginne darum zu bitten. Öffne Dich dieser Möglichkeit ohne das Wie zu kennen.

Bitte darum, bereit zu sein, das Leben wieder mit allem was dazugehört zu lieben. Bitte darum, bereit zu sein, Dein Herz zu öffnen.

Bitte darum, dort hingeführt zu werden, auf die dienlichste Art und Weise.

 

Bitten öffnet das Herz.

In dieser Offenheit kannst Du auf einmal ganz loslassen.

Denn in dieser Offenheit bist Du vollkommen gewiss:

So soll es sein.

 

Denn das Leben liebt Dich

einfach so sehr.

So sehr.

Also warum sollte es einer Bitte und einem offenen Herz nicht entgegenkommen?