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Meine Geschichte Teil 2 – Gefühle bringen Dich nicht um

Wollen wir nicht alle einfach gesehen werden? Gesehen als die, die wir wahrhaftig sind? Was für ein größeres Geschenk und eine größere Liebeserklärung gibt es?

Es gibt nur eine klitzekleine Voraussetzung dafür: Wer gesehen werden will, muss sich sichtbar machen. Wer in seiner Wahrhaftigkeit gesehen werden will, muss seine Wahrhaftigkeit sichtbar machen. Ganz einfach, oder?

Und wer in seiner Wahrhaftigkeit gesehen werden will, sich aber nicht ganz traut sichtbar zu werden, für den habe ich einen super Tipp. Ich habe ihn selbst ausprobiert und er hat Wunder gewirkt:

Schritt 1: Schreibe Deine wahrhaftigsten und intimsten Erfahrungen und Erlebnisse, Gedanken und Gefühle in ein Tagebuch.

Schritt 2: Lege dieses Tagebuch anderen Menschen wiederholt unter die Nase – und zwar solange bis endlich einer reinguckt.

Schritt 3: Let Magic do her thing. ☺

In meinem Fall beschloss Magic meine Mutter für Schritt 2 einzuspannen. (Danke Mama, dass Du Dich dafür zur Verfügung gestellt hast!)

Meine Mama warnte mich zwar mehrfach, dass es durchaus sein könnte, dass Menschen beginnen in den Büchern, die sich unschuldig auf dem Sofa im Wohnzimmer tummeln, zu stöbern. Doch irgendetwas in mir ließ mein Tagebuch trotzdem weiterhin an allen möglichen Orten in der Wohnung herumliegen.

Irgendwann später verbrachte ich meine ersten Semesterferien zu Hause und ich weiß noch genau, wie meine Mama mit dem Gesichtsausdruck, den einem nur ein schlechtes Gewissen ins Gesicht zaubern kann, in mein Zimmer kam.

Mama: Es ist was passiert.

Ich: Was?

Mama: Ich habe in Deinem Tagebuch gelesen.

Ich: Waaaaaaaaaaas?

Alle, die die ernsthafte Praxis des Tagebuchschreibens ausüben wissen wie sich das anfühlt. Alle anderen können sich wahrscheinlich auch ganz gut das Gefühl vorstellen, wenn sich der Magen unendlich oft im Kreis dreht. Ich dachte ich müsste sterben. Das war das Gefühl, vor dem ich immer weggerannt bin in meinem Leben. Dieses „wenn das einer rauskriegt – dann“-Gefühl. Es ergoss sich wie nasse unangenehm klebrige Masse über mich.

Ich: Wo ist es?

Mama: Immer noch unten auf dem Sofa, wo Du es liegen gelassen hast.

Ahhhhhhhhh. Ich rannte runter ins Wohnzimmer und holte das Tagebuch hoch, verbannte meine Mutter aus meinem Zimmer und begann zu lesen. Oh Gott. Nein, warum habe ich das da alles reingeschrieben? Wie viel hat sie wohl gelesen? Vielleicht hat sie dieses Detail hier übersprungen. Hoffentlich. Ahhhh, ihr nie wieder in die Augen gucken.

Wie wild blätterte ich alle Seiten des Tagebuches durch. Oh je, das war mein persönliches Armageddon.

Es gibt allerdings eine positive Seite am Erleben des persönlichen Worst-Case-Szenarios: Wenn Du es überlebst, bist Du in gewisser Weise unsterblich. Es ist in manchen Fällen – wie z.B. in meinem – enorm heilsam, genau damit konfrontiert zu werden.

Du erfährst am eigenen Körper, wie selbst die unangenehmsten Gefühle Dich nicht umbringen können. Du lebst weiter. Und ist es nicht genau das, wovor wir im Leben unbewusst davonlaufen? Vor den unangenehmen Gefühlen? Was würde passieren, wenn wir uns diesen mutiger stellen würden? Wenn wir sie an uns ranlassen und erfahren, dass kein Gefühl der Welt einen wirklichen Schaden anrichten kann.

Gefühle kommen. Fließen durch uns durch. Und gehen. Tür auf – Hallo – Tschüss – Tür zu. Wenn wir allerdings die erste Tür erst gar nicht öffnen, dann muss das Gefühl konstant anklopfen und vor der Tür lauern und unser Leben stagniert.

So habe ich mich lange Jahre gefühlt. Kurz davor erwischt zu werden.

Zurück zur dieser Situation mit dem Tagebuch: Meine Mama meinte, sie hätte nicht alles gelesen, nur so überflogen und sich dann relativ schnell gestoppt. Aber der Schock saß tief. In mir und in ihr.

(Manchmal stelle ich mir vor, wie unsere beiden Seelen (Mama und meine) vor dem Eintritt in dieses Leben den Plan mit dem Tagebuch aushecken. Sie fragen sich, was wohl die beste Möglichkeit wäre, mich daran zu erinnern, dass ich wunderbar bin genauso wie ich bin und sie kommen zu dem Schluss, dass es schon eine drastische Maßnahme braucht, um mich ganz wachzurütteln. Dann hat auf einmal eine von uns beiden die Idee mit dem Tagebuch. Wir einigen uns dann aber auch noch darauf, dass der Schock zwar tief sitzen soll, aber dass wir uns schnell wieder vergeben werden und uns daran erinnern dass die ganze Situation einem heilenden Zweck dient.)

Nach einer Weile stillem Sitzen und Nachdenken in meinem Zimmer, merke ich auf einmal, dass ich tatsächlich noch existiere.

Ich existiere. Das ist eine der schönsten Erkenntnisse überhaupt. Ich bin. Punkt. Ich bin, auch wenn ich mich mies fühle. Ich bin, auch wenn ich den Job nicht bekomme. Ich bin, auch wenn ich keine Ahnung habe, was ich mit meinem Leben machen will. Ich bin. Punkt.

An einem der nächsten Tage machten meine Mama und ich einen langen Waldspaziergang. Wir redeten nicht über die Inhalte meines Tagebuchs, sondern über meine Scham. Wie das so ist, wie es sich auswirkt, was ich will und wie ich von hier weitergehen könnte.

In diesem Gespräch veränderte sich etwas in mir. Ich fällte die Entscheidung einen Weg zu finden, diese Angst und diese Scham Stück für Stück anzunehmen, zu wandeln, abzubauen, runterzufahren, zu stoppen – wie auch immer das genau aussehen würde.

Was dieser Entscheidung folgte waren Monate und Jahre, in denen ich immer wieder ganz bewusst meine Grenzen erweitert habe und immer wieder ein Risiko eingegangen bin.

Es fing z. B. damit an, dass ich im Rahmen eines weiteren Seminars unter anderem einen Rap über meine persönlichen Ängste performt habe und anschließend einen solo Hip Hop-Tanz zum Besten gegeben. Und zwar vor ca. 50 Menschen. Auch dabei bin ich nicht gestorben.

Nein, im Gegenteil. Im Anschluss an diesen Auftritt habe ich zum ersten Mal eine Erfahrung von wirklicher Freiheit gemacht. So als wäre ich das ganze Leben mit einer Ritterrüstung rumgerannt, die ich nun abgeschüttelt und in die Ecke gelegt hatte.

Einige Zeit später habe ich mich zum ersten Mal GANZ auf einen Mann eingelassen. Das war was! Das war wunderschön. Und auch das hat mich nicht umgebracht – im Gegenteil ☺.

Nach einer Weile trennte er sich von mir, genau nachdem ich es zum ersten Mal übers Herz gebracht hatte, Ich liebe dich zu sagen. Das war auch krass. Aber auch das habe ich überlebt, geheilt und für Wachstum genutzt.

Nach der Trennungsphase spürte ich irgendwann, dass es wieder Zeit ist mich raus zu trauen und wieder ein Risiko einzugehen. Denn diese Trennung sollte nicht der Grund sein, dass ich auf immer in der Ecke sitze, mich verletzt fühle und dem Leben beleidigt den Stinkefinger zeige.

Und so habe ich beschlossen, mich einfach bei einem Poetry Slam anzumelden – ohne Text und ohne so etwas schon einmal gemacht zu haben. Den Text habe ich dann in den drei Wochen bis zum Slam geschrieben. Das war auch krass. Und auch das habe ich überlebt. Es hat mich sogar noch lebendiger gemacht. Mehr von mir aus mir selbst herausgeholt und zum Vorschein gebracht.

In dieser Zeit habe ich es mir zur Routine gemacht, immer wieder ganz bewusst ein Risiko einzugehen. Dass war krass. Bis heute habe ich alle Risiken überlebt. Besser noch: Sie haben mich alle immer mehr aufwachen lassen. Mich wachsen lassen. Mich Neues entdecken und erleben lassen.

Zum Beispiel wie unendlich unser Potential ist. Meins. Deins. Seins. Ihres. Unseres.

Durch diese ganzen Risiko-Aktionen, denen noch etliche folgten, stehe ich heute hier. Genau hier. Hier, wo es so wunderschön ist. Ich bin meinem früheren Selbst so dankbar, dass es nicht aufgehört hat, mutig zu sein. Dass es sich immer wieder aufgerappelt hat. Dass es die innere Arbeit gemacht hat, auch dann, wenn es aussichtslos schien. Dass es sie auch gemacht hat, wenn alles flutschte und man sich einfach hätte zurücklehnen können. Dass es sie gemacht habe, aus dem Vertrauen heraus, dass jeder Schritt erst der Anfang ist.

Wenn Du etwas riskierst, kommt Dir das Leben auf halbem Weg entgegen.

Wenn nicht gleich beim ersten Mal, dann beim zweiten oder dritten oder vierten Mal. Es wird Dir entgegenkommen, wenn es sieht, dass Du bereit bist und nicht aufhören wirst, Anlauf zu nehmen.

Wie wäre es also, wenn Du das Riskieren zu Deiner Angewohnheit zu machst. Wo könntest Du in der nächsten Zeit mal ein Risiko eingehen? Dich ganz authentisch und wahrhaftig zeigen, ausdrücken und mitteilen? Was könntest Du in dem Vertrauen tun, dass jeder mutige Schritt erst der Anfang ist. Der Anfang von etwas unvorstellbar Schönem und Neuen.

Love und bis nächste Woche

Madlen

P. S. Ab nächster Woche startet der Magic Monday – mein neues kostenloses 4-Wochen-Ausrichtungsprogramm. Wir starten 4x gemeinsam in die neue Woche und ich schenke Dir in jeder Woche ein neues Coaching-Tool, dass Du direkt im Alltag anwenden kannst. Für mehr Magie, Wunder und Lebensfreude. Ich freue mich wenn Du dabei bist. Hier geht’s zur Anmeldung.