Wie man Angst schrumpfen lässt

…und warum das am besten unter Wasser geht.

Ich liebe Wasser. Ich war schon immer eine Wasserratte und sicherlich in meinem letzten Leben irgendein Fisch.

Gleichzeitig bin ich im offenen Meer oder auch in einem See ein totaler Schisser. Meine Vorstellungskraft dreht durch und ich fühle mich sehr unsicher. Was ist da wohl unter der Wasseroberfläche und zieht es mich gleich hinab? Und dann habe ich vor ein paar Jahren auch noch „Der Schwarm“ gelesen…

Konkret bedeutet das, dass ich manchmal selbst im Bodensee nicht entspannt schwimmen kann.

Dies wissend, war ich vor meinem allerersten Tauchgang sehr nervös. Wie wird das wohl sein? Habe ich unter Wasser noch mehr Angst? Kann ich das genießen oder kriege ich die Krise? Wartet das Monster bereits am Grund auf mich?

Wir sind also vom Boot runter und haben uns in der Tauchgruppe an der Boye getroffen. Als unser Dive-Instructor das Signal gab abtauchen, ich die Luft aus meinem BCD ließ und Richtung Meeresgrund absank – passierte etwas Wundervolles.

Die Angst wich – Meter für Meter – von mir.

Und je tiefer ich eintauchte, desto wohler fühlte ich mich. Wow. Es war so friedlich hier unten. Hier gab es nichts, was ich zu fürchten hatte.

Das Tauchen hat mich mehrere Dinge gelernt.

1. Je unkonkreter die Angst, desto mehr hat sie mich im Schwitzkasten!
2. Angst verschwindet, wenn ich sie anschaue.
3. Die Welt in meinem Kopf ist in der Regel (deutlich) schlimmer als die Wirklichkeit.

Je unkonkreter die Angst, desto mehr hat sie mich im Schwitzkasten!

Wenn mich jemand gefragt hätte, vor was ich denn so Angst habe, hätte ich nicht wirklich eine Antwort geben können. Ich bin eine gute Schwimmerin und im Bodensee z. B. schwimmt jetzt nicht wirklich etwas Gefährliches. Es gab an sich keinen guten Grund, Angst zu haben. Und weißt Du was, das mag die Angst am liebsten.

Die Angst war so stark, weil sie sich mir im trüben Wasser entzog. Sie war unkonkret und selbst bei genauerem hinschauen, habe ich es nicht geschafft, ihr einen Namen zu geben.

Was also so tun, wenn man den Ursprung der Angst nicht erkennen kann?

Nicht nur an der Oberfläche schwimmen, sondern ganz eintauchen. Denn Angst verschwindet, wenn ich sie anschaue.
In dem Moment, in dem ich mir das Monster unter der Wasseroberfläche angesehen habe, habe ich gemerkt, dass es da gar nicht lebt. Ups. Genau das passiert, wenn wir uns unsere Angst anschauen, wenn wir uns in die Situation begeben, vor der wir so bangen: Nichts. Noch häufiger sogar: etwas Wundervolles. In jedem Fall: Klarheit!

Probiere das einmal aus, mit etwas wovor Du Angst hast. Nenne die Angst beim Namen, schau sie Dir wirklich genau an. Oft kann sie einem prüfend-gütigen Blick einfach nicht Stand halten.

Denn die Welt in meinem Kopf ist in der Regel (deutlich) schlimmer als die Wirklichkeit.

Also raus aus dem Kopf und rein ins Leben.

Viel Vergnügen dabei
Deine Madlen