In meiner Signatur steht heimlich Office-Abenteurer

Es waren die letzten vier Wochen meiner Angestelltentätigkeit angebrochen – noch vier Wochen bevor ich in meine dreimonatige Reise starten würde.

Ich hatte in dieser Zeit mit einer Mischung aus Erleichterung und Freude beobachtet, wie meine To-Dos dahinschmolzen und keine neuen hinzukamen. Die sinkende Zahl meiner Aufgaben und der wohltuende Klang der „Wunderlist“ beim Abhaken jeder abgeschlossenen Aufgabe ließ in mir das Gefühl von Freiheit und zurückgewonnenem Raum entstehen.

Der Gedanke „bald gibt es nichts mehr, was Du tun musst“ machte sich in mir breit. Ich war voller Vorfreude.

Neben dem Gefühl der Erleichterung machten sich jedoch auch ein paar Fragezeichen breit. Ich liebte doch meinen Job. Ich habe die Arbeit immer total gerne gemacht und es gab nicht einen Tag, an dem ich keine Lust hatte, ins Büro zu gehen! Und trotzdem – trotz dieser Freude an meiner Arbeit – schien ich doch irgendwie im berüchtigten Hamsterrad zu stecken, wenn ich mir durch das Ende dieses Jobs Erleichterung versprach.

Ich merkte, wie mir dieser Gedanke nicht gefiel. Ich wollte nicht im Hamsterrad sitzen. Und gleichzeitig wusste ich: Da ist was dran!

Nachdem ein paar weitere Tage verstrichen waren, in denen ich diese Gedanken und Einsichten hin und her wälzte, überkam mich, eines morgens, eine ganz neue Einsicht:

DU HAST NIE NICHTS ZU TUN.

Auf der Arbeit nicht, aber auch in der Freizeit nicht und noch nicht mal auf einer Reise. Was?! Mal ganz realistisch, es gibt immer etwas zu tun. Selbst auf einer Reise: Aufstehen, packen, Essen, Pläne schmieden, den Flug kriegen, einen Tempel besichtigen, mit Leuten sprechen, den Weg finden, eine Unterkunft organisieren und vieles mehr.

Ein weiterer Gedanke tauchte auf: Sobald Du in diese Welt kommst, hast Du immer etwas zu tun… Am Anfang vor allem Atmen, Essen, Kuscheln, Schlafen. Das Leben stellt also bestimmte Bedingungen und sobald Du Teil dieses Lebens bist, hast Du sie zu erfüllen.

Wie unromantisch, dachte ich im ersten Moment.

Doch dann stellte sich auf einmal Klarheit ein. Sie überschwemmte mich regelrecht: Wenn ich auf Reisen war, hatte ich ja auch kein Problem damit, etwas zu tun zu haben. Ich empfand es nicht als unangenehm oder stressig. Eher als beflügelnd und ja sogar als Ausdruck von Freiheit!

Woran lag das? Wie konnte das sein? Warum gab es so unterschiedliche Erfahrungen und Gefühlszustände mit ein und derselben Sache? Warum ist etwas zu tun zu haben, einmal unangenehm, einschränkend und ein gefühlsmäßiges Hamsterrad und einmal Erfüllung und Freiheit?

ES IST UNSER MINDSET. Es entscheidet darüber, wie wir unsere Realität wahrnehmen.

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Es war keine brandneue Erkenntnis, aber sie zeigte sich diesmal erneut in einem anderen Kontext.

Ob ich etwas zu tun zu haben als unangenehm oder bereichernd empfinde, hängt davon ab, wie ich dieses etwas bewerte. Welche Gedanken, Überzeugungen und Meinungen ich darüber habe.

Was denke ich also in diesem Zusammenhang über Arbeit: Ich muss arbeiten gehen. Es gibt immer was zu tun. Die Arbeit wird nicht weniger. Woah…es ist so viel! Schaffe ich das alles? Arbeiten ist auch irgendwie anstrengend. Ich habe kein Bock. Wann ist Feierabend? Etc.

Was denke ich jedoch über das Reisen: Juhu, endlich Freiheit. Ich kann machen, was ich will. Abenteuer ahoi. Oh, was für spannende Begegnungen ich wohl haben werde und was ich alles entdecken kann…Das ist das wahre Leben.

Wiedererkannt?

Nun, stell Dir vor, Du würdest mit Deinem Mindset über das Reisen Montag früh in die Arbeitswoche starten? Das ist jetzt ein einfaches und doch kühnes Unterfangen, denn es könnte Deine Welt einmal auf den Kopf stellen.

Es ist Montag früh, Du erwachst und blickst der neuen Arbeitswoche entgegen. Juhu. Freiheit (denn hast Du nicht diesen Job gewählt?). Heute freue ich mich auf die ganzen Abenteuer, die ich auf der Arbeit erleben werde.

IN MEINER SIGNATUR STEHT HEIMLICH OFFICE-ABENTEURER.

Ich bin gespannt, was ich entdecken und lernen werde. Und was wohl für bereichernde Begegnungen auf mich warten. Hier findet eben das wahre und echte Leben statt. Ich bin so dankbar, dass ich diesen Tag genau hier mit genau diesen Menschen erleben darf. Los geht’s.

Für wen sich das jetzt wie Satire anhört – ich meine es ernst! Wie würde sich Dein Arbeitsalltag verändern, wenn Du die Urlaubs-Brille aufsetzt und in diesem Mindset in den Alltag startest?

Deine Welt wird sich verändern. Denn die Veränderung beginnt in Dir. Dein Blick und Deine Haltung können Berge versetzen.

Wieso nur Urlaubsgefühle im Urlaub? Wieso nicht eine Prise (oder einen Eimer) davon jeden Tag und jeden Tag etwas mehr?

Schöne Ferien
Deine Madlen