Die Kunst des Vertrauens

Im Oktober tausche ich meine feste Anstellung gegen eine allgemeine Umbruchphase ein. Diese Umbruchsphase beginnt mit einer dreimonatigen Weltreise. Was danach genau passiert, dass weiß ich noch nicht genau und letztendlich will ich das jetzt auch noch gar nicht wissen – darin liegt ja die Magie eines Umbruchs: Das Ende ist unbekannt.

Ein paar Wochen, nachdem sich diese Botschaft in meinem Umfeld herumgesprochen hatte, bekam ich die Nachricht einer Freundin. Sie gratulierte mir zu diesem mutigen Schritt und hatte aus ganz persönlichem Interesse zwei Fragen an mich:

Frage 1: Gibst Du Deinen Job auf ohne zu wissen, wie es danach weitergeht?

Frage 2: Hast Du Dir einen finanziellen Puffer zugelegt um auch nach der Reise nochmal ein paar Monate ohne Einkommen überbrücken zu können?

Im ersten Moment war ich amüsiert – erst über die Fragen dann über mich selbst: „Oh ja stimmt, man sollte sich wohl über die finanzielle Lage nach der Reise mal Gedanken machen. Hmmm…“ Bisher war die wichtigste Frage für mich in dieser Hinsicht folgende gewesen: Wie kann ich genug Geld FÜR die Reise zur Seite legen? An die Zeit danach hatte ich noch gar nicht gedacht.

Und das mit dem „Nicht wissen, was danach kommt“. Das ist ja gerade der Punkt! Darum geht es. Ich möchte diese Reise antreten ohne zu wissen, was das Leben danach für mich bereit hält.

Als ich über die Fragen und meine Antworten nachgedacht habe ist mir schlagartig klar geworden, worum es hier geht – um Vertrauen!

Es geht um Vertrauen in mich: Schaffe ich das?
UND noch viel mehr geht es um Vertrauen in das Leben an sich: Wird sich mein Leben positiv entwickeln? Bin ich sicher – auch ohne Plan, ohne zu wissen was kommt, ohne Kontrolle über den Ausgang?

Wenn ich in das Leben und somit die Zukunft vertraue, wenn ich fest davon überzeugt bin, dass das Leben für mich ist und dass ich in ihm sicher bin, kann ich alles „Nicht wissen“ aushalten. Dann ist es noch nicht einmal mehr ein Aushalten, dann werde ich vielmehr neugierig sein, auf alles was mich noch erwartet.

Wenn ich mir und meiner Zukunft misstraue und Angst habe vor dem, was mich erwarten könnte (Ich weiß zwar nicht was kommt, aber es ist wahrscheinlich negativ), verwandelt sich „Nicht wissen“ automatisch in Unsicherheit. Ich fühle mich nicht sicher in meinem Leben. Denn alles Ungewisse scheint irgendwie bedrohlich.

Wenn ich allerdings vertraue – mir selbst und auch dem Leben im allgemeinen – löst sich dieser Zusammenhang auf. Er existiert nicht mehr. „Nicht wissen“ bedeutet dann nur „Nicht wissen, wie viele Möglichkeiten auf mich warten oder womit mich das Leben beschenken möchte.“

Wichtig ist, Vertrauen an dieser Stelle nicht mit einer naiven Lebenseinstellung zu verwechseln. Zu vertrauen bedeutet nicht, dass ich mich blind in jedes Abenteuer stürze. Vertrauen ist wachsam, klar und umsichtig. Vertrauen heißt vor allem eines: Dass es in der Welt viel mehr Schönes gibt, als mein Verstand zu fassen vermag. Im Vertrauen öffne ich mich diesem Schönen, diesen vielen wundervollen Möglichkeiten, die nur darauf warten, von mir entdeckt und gelebt zu werden.

Ich sage JA zu den Möglichkeiten, bevor ich sie sehen kann. Ich schaffe den Raum für diese Möglichkeiten, damit sie sich entfalten können.

Wofür willst Du in Deinem Leben Raum schaffen? Für welche Möglichkeiten machst Du jetzt Platz? Was lädst Du – vertrauensvoll – in Dein Leben ein?

Deine Madlen